DER ÜBERGRIFF – Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder bringt Viehtransporter als Anti-Sexismus-Kunstprojekt auf Münchens Straßen
Am Samstag, 26.September 2026, zwischen 14.30 und 17 Uhr fährt ein festlich geschmückter Viehtransporter durch München. Blau-weiße Girlanden, Blumen und Volksmusik erinnern an einen Festumzug. Durch die Lüftungsschlitze des Aufbaus winken Hände nach draußen. An mehreren Stationen werden Lebkuchenherzen verteilt. Doch statt „I mog di“ oder „Wiesnliebe“ tragen sie Sätze wie:
„Nicht so zickig.“
„Stell dich nicht so an.“ „Jetzt lach doch mal.“
War doch nix.“
„Du wolltest das doch auch.“
Mit der performativen Demonstration „DER ÜBERGRIFF“ thematisiert das Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder sexualisierte Übergriffe und Vergewaltigungen im Umfeld des Münchner Oktoberfests, und vor allem die Sprache und gesellschaftlichen Mechanismen, durch die Grenzüberschreitungen verharmlost, relativiert oder als vermeintlicher Bestandteil ausgelassener Festkultur abgetan werden.
Die Arbeit zeigt keine Gewalt. Sie arbeitet mit ihrem Gegenteil: mit Fröhlichkeit, Folklore, Musik, Kitsch und scheinbarer Harmlosigkeit. Erst auf den zweiten Blick kippt das Bild.
Der Viehtransporter wird dabei zum drastischen Symbol einer entmenschlichenden Wahrnehmung, in der Frauen nicht mehr als selbstbestimmte Personen, sondern als verfügbare Körper gesehen werden. Zugleich verwandelt sich das Nutzfahrzeug in einen grotesken Festwagen: Die Musik spielt, die Hände winken, die Lebkuchenherzen werden weitergereicht. Der Festbetrieb läuft weiter.
Die Aktion richtet sich nicht gegen das Oktoberfest oder gegen das Feiern. Sie will auch nicht mit dem Finger auf einzelne Besucher:innen zeigen. Vielmehr soll mitten in der ausgelassenen Atmosphäre Aufmerksamkeit für ein Problem entstehen, das gerade dort leicht übersehen oder kleingeredet wird.
Die Demonstration führt durch München – von der Münchner Freiheit über die Leopoldstraße, das Siegestor, die Ludwigstraße, den Odeonsplatz, die Brienner Straße bis zum Königsplatz - und macht an mehreren zentralen Orten Halt. Dort wird der Wagen zur temporären Installation und zur Bühne einer Intervention im öffentlichen Raum. Das Publikum wird nicht mit einem klassischen Protestplakat konfrontiert, sondern mit einem vertrauten Bild, das sich erst allmählich gegen seine eigene Harmlosigkeit richtet.
Über die Künstler: Rocco und seine Brüder ist ein 2016 in Berlin gegründetes Künstlerkollektiv, das an der Schnittstelle von Kunst, Aktivismus und öffentlichem Raum arbeitet. Bekannt wurde das Kollektiv durch Interventionen und Installationen, die bestehende urbane Systeme, Architektur und gesellschaftliche Konflikte als Material der Kunst begreifen. Ihre Arbeiten bewegen sich bewusst zwischen institutionellem Kunstbetrieb und unangekündigtem Eingriff in den Stadtraum und wurden unter anderem im Humboldt Forum, im Urban Nation Museum Berlin, im MUCA/Kunstlabor München sowie bei der Saatchi Gallery in London gezeigt.
























